Ich oute mich, als Morgifan

Ich liebe Schispringen. Vielleicht liegt’s daran, dass diese federleichten Menschen, die von gigantischen Schanzenanlagen hinabgleiten, ganz andere Typen sind als ich, der, wenn er zu viel trainiert, schnell mal breiter als hoch wird und den keine Brise der Welt 200m und weiter tragen würde.

In diesem Jahr hat mich vor Allem, der Leidensweg von Thomas Morgenstern berührt, weil ich selten Menschen erlebt habe, bei denen Glück und Leid so nahe beieinander liegen. Nach langer Abwesenheit in der Weltspitze, Verletzungspech und einer Scheidung hat er sich in dieser Saison zurück in die Weltspitze gekämpft – und gewann wieder. Einen Tag nach seinem hart erkämpften Comeback Sieg stürzte er schwer und die ganze Arbeit, die ihn zurück nach oben gebracht hatte, schien wirkunglos verpufft.

Kaum zwei Wochen später stand Morgenstern wieder auf der Schanze. Er hatte einen Begleiter bei sich, der ihm die Bindung einstellte, weil er das mit noch immer gebrochenem Daumen nicht konnte. Und für alle überraschend verpasste Thomas Morgenstern den Sieg in der prestigeträchtigen Vierschanzen-Tournée nur hauchdünn und zeigte Sprünge, bei denen keiner mit konnte.

Seine Leistung hat mich darüber nachdenken lassen, wie ich selbst mit Tiefschlägen umgehe, die jeder von uns von Zeit zu Zeit hinnehmen muss und habe für mich festgestellt: erfolgreichen Menschen werden nicht weniger Steine in den Weg gelegt, als jedem anderen, aber – oft gegen alle Vernunft – vertrauen sie weiter auf ihre Fähigkeiten und folgen ihrem Weg, an den außer ihnen niemand mehr geglaubt hat. Die wirklich tollen Dinge im Leben, die fliegen einem wohl nicht einfach so zu, auch wenn der beste Aufwind herrscht. Vielleicht muss man für die wirklich guten Dinge im Leben arbeiten, jeden Tag aufs Neue.

Gestern hörte ich kurz auf zu atmen, als ich sah, wie Thomas Morgenstern auf einer der größten Schanzen der Welt schrecklich zu Sturz kam, so schlimm, dass ich sicher war, er würde sterben – heute scheint er sich (trotz einer Hirnblutung!) erstaunlich rasch zu erholen. Ich wünsche ihm, dass er uns bald wieder mit seiner inspirierenden Steh-Auf Mentalität überrascht. Gute Besserung!

 

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