Über den Mut

IMG_20140130_233500
Es ist so eine Sache, mit dem Mut. Ich habe festgestellt, Menschen zeigen ihn auf sehr unterschiedliche Weise. Ich z.B. würde niemals Fallschirmspringen, nicht nur deshalb, weil sich bei meinem Freund Christoph tatsächlich einmal der Fallschirm nicht geöffnet hat (ja, sowas passiert wirklich) und er nur überlebt hat, weil sein Tandempartner die größte Wucht des Aufpralls abbekommen hat. Heute war allerdings eine etwas andere Art des Muts für mich gefragt. Ich hatte mich wieder für fast ein Jahr in die Welt der Wanifen vertieft, in die Welt der Alpengeister, wilder Natur und tiefen, zwischenmenschlichen Beziehungen, in der auch mein erster Roman spielt. Die Geschichten, die man schreibt, lassen einen nie unberührt. Es gibt Passagen, die möchte ich nie wieder lesen, weil sie mich zu sehr an echte Menschen und Situationen erinnern und Angst, Freude, Traurigkeit oder Wut in mir auslösen. Andere Stellen liest man tausend Mal, immer wieder, weil sie sich noch nicht richtig anfühlen. In Wahrheit hätte ich das Manuskript wahrscheinlich schon vor Tagen wegschicken können, aber, ja, mir fehlte wohl der Mut – weil es sich eben nicht um eine Seminararbeit, sondern um etwas sehr Persönliches handelt. Man muss etwas preisgeben, als würde man sein inneres Kind zu Germany’s next Topmodel schicken mit der Gewissheit, von Heidis hämischen Kommentaren wieder nachhause geschickt zu werden.
Heute bin ich gesprungen, ganz ohne Tandem, und habe “Die Wanifen – Geisterfeuer” meiner Verlegerin geschickt und damit eine Periode gespannten Wartens eingeleitet. Glück auf- mein inneres Kind, mögest du’s bis zum letzten Photoshooting schaffen!

Advertisements

Was an Buchlesern fasziniert

buch_mit_leseband

Leser sind wunderbare Menschen, das weiß ich nicht erst seit gestern, aber im Stillen habe ich mich immer gefragt, was es ist, warum ich mich mit diesen sogenannten Viellesern oft so blind verstehe?

Ich könnte nicht sagen, dass sie alle demselben Menschenschlag angehören, in der Sprache der Wissenschaft müsste man wohl von einer höchst inhomogenen Population sprechen. Alle gemeinsam haben sie, dass das Lesen erwiesenermaßen ihre Kreativität fördert und dass es uns im Altern vor geistigem Abbau schützen kann, wie kaum etwas sonst,  aber meine eigene Ansicht reicht noch ein bisschen weiter.

Als mein Roman  Die Wanifen  ein Fantasyroman, der vor etwa 6000 Jahren in den Alpen spielt, diesen Sommer erschien, lernte ich zum ersten Mal Menschen kennen, die Geschichten lasen, die ich geschrieben hatte. Um ehrlich zu sein: Ich hatte ganz schön Angst.  Würden sie an der Geschichte mögen, was ich mag, würden sie die Passagen hassen, bei denen ich mir selbst nicht sicher war?

In einer Leserunde auf dem Portal lovelybooks erhielt ich erste Antworten auf diese Fragen und sie überraschten mich allesamt: Jeder hatte eine andere Sichtweise der Geschichte, jeder schien andere Figuren zu mögen oder zu verabscheuen. Es gab Leute, mit denen diskutierte ich über den geschichtlichen Hintergrund, wieder andere attestierten einem auftretenden Naturgeist „Kuschelfaktor“. Eine Leserin sprach mir ihre Sympathie für eine Figur aus, die in der Geschichte kaum 2 Sätze sagt – wunderbar! Ich hatte mir zu dieser Figur viele Dinge überlegt, die es nie ins Buch geschafft hatten. Das gleiche Kapitel war manchen Lesern zu kurz, anderen zu lang. Wieder andere erzählten mir, die Geschichte hätte sie zu Tränen gerührt.

Ich war überwältigt und habe endlich begriffen, was das einzige ist, was Buchliebhaber wirklich gemeinsam haben: einen unabhängigen Geist, der seine Geschichten beim Lesen selber erfindet.

Was für ein großartiger Menschenschlag!