Was an Buchlesern fasziniert

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Leser sind wunderbare Menschen, das weiß ich nicht erst seit gestern, aber im Stillen habe ich mich immer gefragt, was es ist, warum ich mich mit diesen sogenannten Viellesern oft so blind verstehe?

Ich könnte nicht sagen, dass sie alle demselben Menschenschlag angehören, in der Sprache der Wissenschaft müsste man wohl von einer höchst inhomogenen Population sprechen. Alle gemeinsam haben sie, dass das Lesen erwiesenermaßen ihre Kreativität fördert und dass es uns im Altern vor geistigem Abbau schützen kann, wie kaum etwas sonst,  aber meine eigene Ansicht reicht noch ein bisschen weiter.

Als mein Roman  Die Wanifen  ein Fantasyroman, der vor etwa 6000 Jahren in den Alpen spielt, diesen Sommer erschien, lernte ich zum ersten Mal Menschen kennen, die Geschichten lasen, die ich geschrieben hatte. Um ehrlich zu sein: Ich hatte ganz schön Angst.  Würden sie an der Geschichte mögen, was ich mag, würden sie die Passagen hassen, bei denen ich mir selbst nicht sicher war?

In einer Leserunde auf dem Portal lovelybooks erhielt ich erste Antworten auf diese Fragen und sie überraschten mich allesamt: Jeder hatte eine andere Sichtweise der Geschichte, jeder schien andere Figuren zu mögen oder zu verabscheuen. Es gab Leute, mit denen diskutierte ich über den geschichtlichen Hintergrund, wieder andere attestierten einem auftretenden Naturgeist „Kuschelfaktor“. Eine Leserin sprach mir ihre Sympathie für eine Figur aus, die in der Geschichte kaum 2 Sätze sagt – wunderbar! Ich hatte mir zu dieser Figur viele Dinge überlegt, die es nie ins Buch geschafft hatten. Das gleiche Kapitel war manchen Lesern zu kurz, anderen zu lang. Wieder andere erzählten mir, die Geschichte hätte sie zu Tränen gerührt.

Ich war überwältigt und habe endlich begriffen, was das einzige ist, was Buchliebhaber wirklich gemeinsam haben: einen unabhängigen Geist, der seine Geschichten beim Lesen selber erfindet.

Was für ein großartiger Menschenschlag!