Über den Mut

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Es ist so eine Sache, mit dem Mut. Ich habe festgestellt, Menschen zeigen ihn auf sehr unterschiedliche Weise. Ich z.B. würde niemals Fallschirmspringen, nicht nur deshalb, weil sich bei meinem Freund Christoph tatsächlich einmal der Fallschirm nicht geöffnet hat (ja, sowas passiert wirklich) und er nur überlebt hat, weil sein Tandempartner die größte Wucht des Aufpralls abbekommen hat. Heute war allerdings eine etwas andere Art des Muts für mich gefragt. Ich hatte mich wieder für fast ein Jahr in die Welt der Wanifen vertieft, in die Welt der Alpengeister, wilder Natur und tiefen, zwischenmenschlichen Beziehungen, in der auch mein erster Roman spielt. Die Geschichten, die man schreibt, lassen einen nie unberührt. Es gibt Passagen, die möchte ich nie wieder lesen, weil sie mich zu sehr an echte Menschen und Situationen erinnern und Angst, Freude, Traurigkeit oder Wut in mir auslösen. Andere Stellen liest man tausend Mal, immer wieder, weil sie sich noch nicht richtig anfühlen. In Wahrheit hätte ich das Manuskript wahrscheinlich schon vor Tagen wegschicken können, aber, ja, mir fehlte wohl der Mut – weil es sich eben nicht um eine Seminararbeit, sondern um etwas sehr Persönliches handelt. Man muss etwas preisgeben, als würde man sein inneres Kind zu Germany’s next Topmodel schicken mit der Gewissheit, von Heidis hämischen Kommentaren wieder nachhause geschickt zu werden.
Heute bin ich gesprungen, ganz ohne Tandem, und habe “Die Wanifen – Geisterfeuer” meiner Verlegerin geschickt und damit eine Periode gespannten Wartens eingeleitet. Glück auf- mein inneres Kind, mögest du’s bis zum letzten Photoshooting schaffen!